Beton bietet einen grossen gestalterischen
Spielraum im Hinblick auf seine plastische Formulierung,Farbigkeit und Ober-
flächenbeschaffenheit. Diese Bandbreite interessiert uns. Für unsere Projekte
nutzen wir einerseits die scharfkantige
Präzision, welche besonders in der Schweiz durch hohe handwerkliche Qualität
erreicht wird. Andererseits aber auch das Spiel mit dem Paradoxen – der massive,
harte Beton kann durch Formgebung
und haptische Eigenschaften einen weichen, textilen Ausdruck erreichen.

Emanuel Christ & Christoph Gantenbein
Architekten
Christ & Gantenbein

Sicherheit

Beton brennt nicht, schützt dagegen vor

Strahlung. Er wirkt schallisolierend und unterstützt

das erdbebensichere Bauen.

Beton – vielfältig und nützlich – prägt Land-

schaften und Seelen nachhaltig. Denn Bau, geworden aus Fels

und Geist, kann abge-

tragen, gemahlen und wieder zu Bau werden.

Köbi Gantenbein
Chefredakteur «Hochparterre»

Beton ist ein vielseitig
verwendbarer Baustoff, bei
dem sich funktionale
und ästhetische Aspekte auf
ideale Weise vereinen.

Hubertus Adam
Publizist und Kunsthistoriker

Im Grunde ist Beton ein Baustoff wie andere
auch, der allerdings im schweizerischen Umfeld

gemäss Philipp Ursprung auch das «Unbe-
wusste», das Typische der Schweiz widerspiegelt.

In unserer beruflichen Biografie ist der vorfa-
brizierte Beton zu einem tragenden Teil unserer
Recherchen und Realisierungen geworden;
wir mögen Beton, er entspricht auch unserer
Suche nach Direktheit in der Wirkung von Struk-
tur, Material und Oberfläche.

Bruno Krucker
Architekt
von Ballmoos Krucker Architekten

Es ist prinzipiell möglich, sich
Gebäude auszudenken, deren
Hauptidee sich nicht aus dem Ort
herleitet, die sich nicht als Reaktion
auf den Ort verstehen, sondern
als Erfindung im Kopf entstehen.
Beton ist fast immer das einzige
Material, mit dem man solche
Ideen bauen kann.

Valerio Olgiati
Architekt

Es ist schwierig, Beton nicht zu verwenden.
Beton ist das Arbeitspferd unter den Bau-
stoffen: jener Baustoff, der praktisch

überall einsetzbar ist und entsprechend

häufig auch eingesetzt wird. In dieser
allgegenwärtigen Funktion hat er den Stein
abgelöst, von dem er viele Eigenschaften
hat, zudem noch ein paar sehr praktische
dazu.

Andreas Sonderegger
Architekt, pool Architekten

Für mich ist ein Bau vor allem dann nach-
haltig, wenn er nicht nur wenig Energie konsumiert, sondern wenn es sich lohnt, ihn überhaupt zu errichten– weil er nicht nur vielen gefällt, sondern auch eine architek-tonische Bedeutung hat, einen Wert besitzt, der dazu führt, dass man ihn für immer erhalten möchte. Gerade die Widerstands-fähigkeit des Betons macht diesen Baustoff deshalb interessant für Gebäude, die in diesem Sinne nachhaltig angelegt sind.

Christian Kerez
Architekt, Professor für Architektur
und Entwurf ETH Zürich

Beton ist für uns vor allem deshalb positiv konnotiert, weil er als Baumaterial nicht nur zum reinen Zweck, sondern auch als Gestaltungsmittel
eingesetzt werden kann. Die Vorzüge des Betons liegen neben den funktionalen
Qualitäten vor allem in seiner
optischen und haptischen Wirkung.

Daniele Di Giacinto
Architekt, :mlzd Architekten

Flexibilität

Beton ist solide und verlängert die Nutzungsdauer von Gebäuden. Häuser aus Beton lassen sich leicht umnutzen, das schont die Ressourcen.

Wir wünschen uns
mehr (zahlbare) Optionen

im Schalungsbau,damit
die plastischen Qualitäten
des Betons wieder stärker
ausgereizt werden
können.

Adrian Berger & Lukas Huggenberger
Architekten, huggenbergerfries

Was mit Beton assoziiert
wird, ist sehr subjektiv.
Oft wird die Bausubstanz
der Nachkriegszeit als
negative Referenz zitiert.
Wer Bauten kennt, bei
denen Beton auf kreative
und intelligente Weise
eingesetzt wurde, ist vom
ausdrucksvollen Resultat
begeistert.

Raphaël Nussbaumer
Architekt

Beton ist ein universeller Baustoff,
sowohl für die Pflicht wie auch
für die Kür. Als «Lastesel» verrichtet
er überall seine Dienste, oft unsicht-
bar oder unbemerkt. Wenn hingegen
ein Architekt mit Gefühl und Sach-
verstand den Beton formt, rückt er in
die vorderste Fassadenebene und
wird zur Hauptsache.

Caspar Schärer
Architekt und Journalist

«Béton n’existe pas.»: Beton per se
gibt es nicht, weil er erst mit dem
Giessen in einer Schalung überhaupt
entsteht. Er zeigt dann nicht sich

selbst, sondern bildet mimikryartig
die Struktur und die Materialität
der Schalung ab. Als künstlicher
Stein aus natürlichen Stoffen kann
seine Wirkung zwischen roh und
edel und seine Wertanmutung
zwischen archaisch und verfeinert
gewählt werden. Mit Liebe ver-
arbeiteter Beton streichelt die
Augen liebevoll und entspannt sie.
Gerade in Kombination mit anderen
Werkstoffen entfaltet der Beton
beinahe alchemistische Werte.

Lorenzo Giuliani
Architekt, giuliani.hönger

Wohnklima

Beton führt zu mehr Wohnkomfort. Seine thermische Speichermasse ermöglicht einen höheren Fensteranteil, der mehr natürliches Licht zulässt.

Beton kann viel, aber
man vergisst, dass
er ein Unikat ist. Er ist
immer wieder neu.
Darum ist das Ausschalen
jeweils der schönste
Moment – da sieht
man jedes Mal neu, was
herauskommt.

Stefan Bischof
Bauingenieur und Betontechnologe

Das Baumaterial Beton hat viele Facetten.
Mich interessiert vor allem seine technische
Leistungsfähigkeit, die Möglichkeit,
eine Tragstruktur zu bilden und damit
Räume zu definieren. In diesem Sinne bin
ich mehr am konzeptionellen Potenzial
dieses Baustoffes als an seinen sinnlichen
Eigenschaften interessiert.

Christian Kerez
Architekt, Professor für Architektur
und Entwurf ETH Zürich

Beton ist wie Bronze: Eine harte
Legierung, die nur durch Giessen
bearbeitet werden kann. Jahrtausende
später werden seine Bestandteile
aus einer Grube oder vom Meeres-

grund extrahiert. Wenn ich Fotos der
Bunkeranlagen des Atlantikwalls
von Paul Virilio sehe, scheint mir
paradox, dass Beton trotz allem ein
Naturprodukt ist: So wie diese Blöcke
in den Sand gesetzt, von Wellen
zerfressen und von Tang bedeckt
wurden, sind sie organisch geworden.

Charles Pictet
Architekt

Beton hat in den Händen
von grossartigen Ingenieuren

und Architekten ein Stück

Baugeschichte des 19. und 20.

Jahrhunderts geschrieben.

Er hat auch, schlecht und

verantwortungslos eingesetzt,

zu einer nie dagewesenen

Umweltzerstörung beige-
tragen. Das erste ist nicht sein

Verdienst, das zweite nicht
seine Schuld.

Vittorio Magnago Lampugnani
Architekt, Professor für Geschichte des
Städtebaus ETH Zürich

Nur wer den Beton
liebt, macht

Schönheit daraus. Architektur
hat mehr mit Liebe

zu tun, als wir uns eingestehen wollen.

Benedikt Loderer
Journalist und Publizist

Effizienz

Beton kann überall eingesetzt werden, ob vor Ort gegossen oder als industriell produziertes Bauteil. Für rationelles Bauen ist Beton ideal geeignet.

In einer Welt, die sich entmaterialisiert
und zunehmend in abstrakte Zeichen
verflüchtigt, ist das Materielle, Raue schon
fast subversiv – weil es berührt, Wider-

stand leistet, eine Zeitlichkeit hat. Mir gefällt deshalb die raue Verwendung von Beton: Die felshafte, grobe, skulpturale Verwendung, bei der von der gegosse-

nen Form auch wieder etwas weggenom-

men wird und die physischen Aspekte dieses wunderbaren Materials zum Vorschein kommen.

Stefan Rotzler
Landschaftsarchitekt
Rotzler Krebs Partner

In meinen Skulpturen suche ich
nicht das Ideale, nicht das Grossartige
oder Allgemeingültige, sondern
eher das Exemplarische und Mögliche.
Ich schildere Figuren und Szenen
des Alltags. Deshalb ist Beton mein
Material. Beton ist allgegenwärtig.
Beton ist funktional und ökonomisch.
Eine simple Mischung aus Kies,
Sand, Zement und Wasser. Roh, hart
und kalt – zum Anschauen
und Anfühlen.

Nick Röllin
Künstler

Beton wird in der Architektur gegen-
wärtig sehr häufig mit monolithischen, skulpturartigen «Brocken» gleich-
gesetzt und Stahlbeton positioniert sich als Baustoff für «Archaisches»,
obwohl er eigentlich ein Produkt der Neuzeit ist. Da ist es vom «béton

brut» – von Le Corbusier salonfähig gemacht – zum Brutalismus nur

ein kleiner Schritt.

Manuel Pestalozzi
Journalist

Ich beharre eher auf dem steinigen
Eindruck von Beton. Wenn er
artifiziell wirkt, geschliffen und
poliert, dann braucht es meiner

Meinung nach diesen Baustoff nicht.
Weil ich Stein vor Augen habe

und kein künstliches Material. Daher

bin ich an zusätzlichen speziellen

Eigenschaften von Beton nicht gross
interessiert.

Peter Märkli
Architekt, Professor für Architektur
und Konstruktion ETH Zürich

Beton hat eine spannende
Vielfältigkeit und birgt ein

grosses gestalterisches

Potenzial. Der Baustoff

wurde dank jüngsten Ent-

wicklungen von seiner

gestalterischen Trägheit

erlöst und animiert

zum Spiel zwischen Statik

und Dynamik.

Armand Louis
Architekt, Atelier Oï

Beton ist ein sozial verträglicher Werkstoff,
mit dem keine Macht ausgeübt werden

kann, weil es ihn überall in riesigen Mengen

zu tiefen Kosten gibt. Die handbehau-

enen Sandsteine der alten Häuser von Bern

oder St. Gallen zum Beispiel konnten nur

deshalb behauen werden, weil die Steinmetze
so katastrophal wenig verdienten im

Vergleich zu den Bürgern, die die Gebäude

bauen liessen.

Hansjürg Leibundgut
Professor für Gebäudetechnik ETH Zürich

Ich glaube, dass Beton von
der Öffentlichkeit zu wenig
respektiert wird, weil er
gegenüber den Architekten
und den Ingenieuren, die
ihn schlecht behandeln, zu
tolerant ist.

Charles Pictet
Architekt

Beton durchlief in den

letzten 20 Jahren eine

enorme Entwicklung und

konnte sich sowohl bei

unseren Kunden als auch
in der Architektur- und
Designszene etablieren.
Beton ist als Baustoff
salonfähig. Vom Bunker-

charakter schaffte er den
Sprung ins Wohnzimmer.

Aurel Aebi
Architekt, Atelier Oï

Für Ingenieure ist Beton ein
interessanter Baustoff, weil
er für alles eingesetzt werden

kann. Für Architekten ist

er spannend, weil er für jede Gestaltung nutzbar ist.

Zudem ist er ein kosten-

günstiger Baustoff.

Patrick Gartmann
Bauingenieur und Architekt
Conzett, Bronzini, Gartmann

Langlebigkeit und Unterhaltsarmut sind Aspekte
des Betons, die mit den Aufwendungen auf
der Ressourcenseite aufzurechnen sind. Im Bereich
der primären Struktur ist Beton wohl unbestritten
das favorisierte Material und kann unter spezi-

fischen Bedingungen direkt den Ausdruck von

Räumen und Gebäuden prägen. Bezüglich Fassaden sind wir zuversichtlich, dass der Beton mit besse-

ren Dämmmaterialien als (vorfabrizierte) Aussen-

wand weiterhin zukunftsfähig ist.

Thomas von Ballmoos
Architekt
von Ballmoos Krucker Architekten

Funktionalität

Beton kann durchlässig bis dicht sein. Sickerfähige Beläge verhindern eine Versiegelung des Bodens

und halten den natürlichen Wasserkreislauf in Gang.

Dank wasserdichtem Beton kann dagegen
Grundwasser nirgends eindringen – so bleiben beispielsweise Keller trocken.

Beton ist heute eines der Grund-

materialien des Bauens. Er

bietet dem Architekten grosse

Gestaltungsfreiheit und ein

sehr breites Spektrum an

Anwendungsmöglichkeiten.

Das Potenzial von Beton ist so

gross, dass es die Experi-

mentierfreude der Planer immer

wieder neu anregt.

Pia Durisch & Aldo Nolli
Architekten
Durisch + Nolli

Die tiefen handwerklichen
Spuren, die Beton in seiner

Anwendung hinterlässt,
schätzen wir sehr. Es gibt kaum
ein Baumaterial, welches sich

so differenziert nutzen lässt

wie Beton und das zusätzlich

über so wertvolle statische
Eigenschaften verfügt.

Daniel Buchner & Andreas Bründler
Buchner Bründler Architekten



Entgegen der proklamierten «Entmassung» der
Architektur der Moderne vertreten wir die Meinung,
dass Masse und Gewicht auch in der heutigen

Architektur eine Qualität darstellen. Im Innern können
alle raumbildenden Elemente – Böden, Wände,
Scheiben, Stützen und Decken – monolithisch in Beton
ausgeführt werden. Sie bilden ein räumlich-plast-

isches Tragwerk, bei dem nicht mehr zwischen Tragen
und Trennen unterschieden werden kann und
damit ein homogener Raumkörper und ein fugenloses
Ineinander entstehen. Die unverkleidete Primärstruktur
fasst den Raum kraftvoll und prägnant, der Beton beherbergt und schützt den Bewohner und Benutzer.

Christian Hönger
Architekt, giuliani.hönger

Die Möglichkeiten, Betonoberflächen
zu gestalten, sind fast unbegrenzt: Beton kann gestockt, abgesäuert,
eingefärbt, sägeroh geschalt, tafel-

geschalt, geflammt, sandgestrahlt, geglättet, lasiert, gestrichen, fugenlos
scharriert, mit dem Besen abgezogen,
poliert, geschliffen, gespitzt, ge-

spaltet, strukturiert, (fein)gewaschen oder bedruckt sein – sowie beliebige Kombinationen davon.

Franz Aeschbach
Architekt
Bob Gysin + Partner BGP

Die intuitive und emotionale Beziehung

zum Material und das Experimentieren zwischen Massstäben und Materialien zeichnen uns aus.

Beton bietet durch den Prozess von der flüssigen,
dynamischen Masse hin zum starren Volumen

unzählige Gestaltungsmöglichkeiten und ist für uns deshalb sehr attraktiv und polyvalent.

Patrick Reymond
Architekt, Atelier Oï

Beton besticht durch
seine Statik, nicht
zuletzt auch wegen der
Erdbebensicherheit.

Patrick Reymond
Architekt, Atelier Oï

Beton ist ein alter und traditions-

reicher, aber immer noch moderner
und innovativer Baustoff. Vor

seiner Verarbeitung ist er weder

hässlich noch schön. Erst der

Mensch gibt ihm Form und Gestalt.

Architekten und Ingenieure haben

sich immer wieder von der Form-

barkeit dieses Baustoffs inspirieren

lassen. Entstanden sind daraus

bedeutende und dauerhafte
Bauwerke.

Dr. Peter Lunk
Bauingenieur

Wir halten Beton für einen nachhaltigen Baustoff, seine Eigenschaften machen ihn dauerhaft. Verbaut, um in Harmonie mit seiner Umgebung zu stehen; eingesetzt, um an

die Geschichte eines Ortes zu erinnern, kann er sich ins kollektive Gedächtnis einnisten.

Jean-Claude Frund
Architekt, frundgallina

Natürlich geben es
Architekten nicht gerne
zu, aber Beton befriedigt
ihre Sehnsucht nach
Permanenz, wie sie mit
Rossi zu sagen lernten,
was wir mit Überdauern
übersetzen können.

Benedikt Loderer
Journalist und Publizist